
Die Victron GX Gerätefamilie (Cerbo GX, Cerbo GX MK2, Venus GX, CCGX) sind Kommunikations- und Überwachungsplattformen, die Modbus TCP-Zugriff auf angeschlossene Victron VE.Bus Wechselrichter/Ladegeräte (MultiPlus, Quattro) ermöglichen. Das GX-Gerät selbst ist kein Wechselrichter — es fungiert als Modbus TCP-Gateway zum VE.Bus-System.
TapHome verbindet sich mit dem GX-Gerät über Ethernet per Modbus TCP. Die Vorlage stellt SOC-Überwachung der Batterie, 3-phasige AC-Eingangs- und Ausgangsmessung, ESS-Leistungs-Sollwertsteuerung (Energy Storage System), Wechselrichtermodusumschaltung, PV-Wechselrichterverwaltung und umfassende Alarmüberwachung bereit.
Netzwerkverbindung
Das GX-Gerät verbindet sich über den Ethernet-Port mit dem lokalen Netzwerk. TapHome Core und das GX-Gerät müssen sich im selben Subnetz befinden.
- Protokoll: Modbus TCP
- Port: 502
- Standard Slave ID: 227 (Cerbo GX VE.Bus-Port)
- Funktionscodes: 3 (ReadHoldingRegisters), 6 (WriteSingleRegister), 16 (WriteMultipleRegisters)
Die Standard-Slave-ID 227 gilt für den Cerbo GX VE.Bus-Port. Andere GX-Geräte verwenden unterschiedliche IDs: 246 für CCGX, 242 für Venus GX, 228 für EasySolar-II GX. Unit IDs werden seit Venus OS 2.60 dynamisch vergeben — die tatsächliche ID kann am GX-Gerät unter Einstellungen → Dienste → Modbus/TCP → Verfügbare Dienste überprüft werden.
Konfiguration
Modbus TCP aktivieren
Modbus TCP ist auf allen GX-Geräten standardmäßig deaktiviert. Aktivierung:
- Am GX-Gerät zu Einstellungen → Dienste navigieren
- Modbus-TCP aktivieren
Nach der Aktivierung lauscht das GX-Gerät auf TCP-Port 502.
TapHome-Vorlage importieren
Beim Import der Vorlage in TapHome angeben:
- IP-Adresse — IP-Adresse des GX-Geräts im lokalen Netzwerk
- Slave ID — VE.Bus Unit ID (Standard: 227 für Cerbo GX)
Weisen Sie dem GX-Gerät eine statische IP-Adresse in den DHCP-Einstellungen des Routers zu, oder konfigurieren Sie eine statische IP direkt am GX-Gerät unter Einstellungen → Ethernet, damit sich die Adresse nach einem Neustart nicht ändert.
Gerätefunktionen
Die Vorlage stellt 10 Geräte bereit, aufgeteilt in Batterieüberwachung, AC-Messung, Modussteuerung und Schutzschalter.
Batterieüberwachung
- Batterie — liest den VE.Bus-Ladezustand (SOC) aus Register H:30 als Dimmer-Pegel. Service-Attribute zeigen Batteriespannung (H:26), Batteriestrom mit Richtungsanzeige (H:27), Batterietemperatur (H:61), VE.Bus-Ladezustand (Aus, Niedrige Leistung, Fehler, Bulk, Absorption, Float, Speicher, Egalisierung, Passthru, Invertierung, Power Assist, Stromversorgung) und BMS-Lade-/Entladeberechtigungen (H:57–59). Das Readscript überwacht H:32 auf VE.Bus-Fehlercodes (1–26) und H:60 auf BMS-Fehler. Für die Systemwiederherstellung ist die Aktion VE.Bus Reset (H:62) verfügbar.
AC-Eingangsmessung
Drei Stromzählergeräte überwachen die AC-Eingangsleistung pro Phase:
- Eingangsleistung L1 — AC-Eingangsleistung Phase 1 aus H:12, mit Service-Attributen für Spannung (H:3), Strom (H:6), Frequenz (H:9) und ESS-Leistungs-Sollwert (H:37). Der ESS-Sollwert ist über eine Service-Aktion schreibbar.
- Eingangsleistung L2 — AC-Eingangsleistung Phase 2 aus H:13, mit entsprechenden L2-Attributen und ESS-Sollwert L2 (H:40).
- Eingangsleistung L3 — AC-Eingangsleistung Phase 3 aus H:14, mit entsprechenden L3-Attributen und ESS-Sollwert L3 (H:41).
Jedes Eingangsleistungsgerät enthält eine ESS-Leistungs-Sollwert-Service-Aktion für die jeweilige Phase, damit TapHome das ESS-Lade-/Entladeverhalten pro Phase steuern kann.
AC-Ausgangsmessung
Drei Stromzählergeräte überwachen die AC-Ausgangsleistung pro Phase:
- Ausgangsleistung L1 — AC-Ausgang aus H:18, mit Service-Attributen für Spannung (H:15), Strom (H:18) und Frequenz (H:21). Das Readscript überwacht phasenweise Alarme für Temperatur (H:44), niedrige Batterie (H:45), Überlast (H:46) und Welligkeit (H:47).
- Ausgangsleistung L2 — AC-Ausgang aus H:24, mit L2-Spannung (H:16), Strom (H:19) und Frequenz (H:21). Überwacht L2-Alarme (H:48–51).
- Ausgangsleistung L3 — AC-Ausgang aus H:25, mit L3-Spannung (H:17), Strom (H:20) und Frequenz (H:21). Überwacht L3-Alarme (H:52–55).
Eingangs-Stromgrenzensteuerung
- Aktive Eingangs-Stromgrenze — liest und schreibt die aktive Eingangs-Stromgrenze (H:22) in Ampere. Die Service-Aktion „Grenze setzen" akzeptiert einen Float-Wert (0–100 A).
Schutzschalter
- DC-Überspannung ins Netz einspeisen — Umschalter (H:65) zur Steuerung, ob DC-Überspannung ins Netz zurückgespeist wird. Service-Attribute zeigen maximale Überspannungseinspeisung pro Phase (H:66–68) und AC-Eingangs-Ignorierstatus (H:69–70). Eine Service-Aktion erlaubt die Einstellung der maximalen Einspeiseleistung pro Phase.
- PV-Wechselrichter — Umschalter (H:56) zum Aktivieren oder Deaktivieren der Frequenzverschiebung des PV-Wechselrichters am AC-Ausgang. Bei Aktivierung (Schalter AUS) arbeitet der PV-Wechselrichter am AC-Ausgang normal; bei Deaktivierung (Schalter EIN) begrenzt die Frequenzverschiebung den PV-Ausgang.
Service-Attribute und -Aktionen auf Modulebene
Das Modul selbst stellt mehrere Service-Attribute bereit, die vom Gateway-Gerät in TapHome zugänglich sind:
| Attribut | Register | Beschreibung |
|---|---|---|
| Phasenanzahl | H:28 | Anzahl der AC-Phasen im VE.Bus-System |
| Schalterposition | H:33 | Wechselrichtermodus — Nur Ladegerät, Nur Wechselrichter, Ein, Aus |
| Aktiver Eingang | H:29 | Aktive AC-Eingangsquelle — AC-Eingang 1, AC-Eingang 2, Getrennt |
| ESS Laden deaktivieren | H:38 | Ladeflag — Laden aktiviert / Laden deaktiviert |
| ESS Einspeisung deaktivieren | H:39 | Einspeiseflag — Einspeisung aktiviert / Einspeisung deaktiviert |
| ESS Leistungs-Sollwert L1–L3 | H:37, H:40, H:41 | ESS-Leistungs-Sollwert pro Phase in Watt |
Service-Aktionen auf Modulebene ermöglichen die Umschaltung des Wechselrichtermodus (Nur Ladegerät, Nur Wechselrichter, Ein, Aus), das Umschalten des ESS-Ladeflags und das Umschalten des ESS-Einspeiseflags.
Systemalarmüberwachung
Das Modul-Readscript überwacht 7 Systemalarme:
| Register | Alarm | Stufen |
|---|---|---|
| H:34 | Temperaturalarm | 0=Ok, 1=Warnung, 2=Alarm |
| H:35 | Niedrige-Batterie-Alarm | 0=Ok, 1=Warnung, 2=Alarm |
| H:36 | Überlastalarm | 0=Ok, 1=Warnung, 2=Alarm |
| H:42 | Temperatursensor-Alarm | 0=Ok, 1=Warnung, 2=Alarm |
| H:43 | Spannungssensor-Alarm | 0=Ok, 1=Warnung, 2=Alarm |
| H:63 | Phasenfolgewarnung | 0=Ok, 1=Warnung |
| H:64 | Netzverlust-Alarm | 0=Ok, 1=Alarm |
Weitere Funktionen
Der VE.Bus-Registersatz (H:3–H:231) bietet weitere Register über die aktuell implementierte Vorlage hinaus. Dazu gehören Energiezähler für AC-Eingangs-/Ausgangs-/Batterieflüsse (H:74–92, flüchtig — Reset beim Neustart), Ladezustandsaufzählung (H:95), 32-Bit-ESS-Leistungs-Sollwerte für größere Systeme (H:96–100), erweiterte ESS-Einstellungen wie Bevorzugung erneuerbarer Energie (H:102), PowerAssist-Konfiguration (H:106–108), UPS-Funktionssteuerung (H:109) und Microgrid-/Droop-Modus-Register (H:200–231). Diese können in einem zukünftigen Update zur TapHome-Vorlage hinzugefügt werden.
Fehlerbehebung
Keine Modbus-Kommunikation
- Überprüfen, dass Modbus TCP am GX-Gerät aktiviert ist (Einstellungen → Dienste → Modbus-TCP)
- IP-Adresse des GX-Geräts bestätigen — DHCP-Leasing-Tabelle des Routers oder Netzwerkeinstellungen des GX-Geräts prüfen
- Sicherstellen, dass TapHome Core und GX-Gerät im selben Subnetz sind
- Prüfen, dass keine Firewall TCP-Port 502 blockiert
- Korrekte Unit ID verifizieren — Standard 227 gilt für Cerbo GX; andere GX-Modelle verwenden unterschiedliche IDs
Falsche Leistungswerte
Die Vorlage verwendet einen /100-Skalierungsfaktor für Leistungsregister (H:12–14, H:23–25), während die Victron-Dokumentation einen Faktor 0,1 angibt (d. h. Rohwert × 10 = tatsächliche Watt). Dies kann zu Leistungswerten führen, die niedriger als erwartet sind. Wenn Leistungswerte falsch erscheinen, handelt es sich um einen bekannten Vorlagenunterschied — die relativen Messungen bleiben proportional korrekt.
VE.Bus-Fehlercodes
Das Readscript des Batteriegeräts prüft Register H:32 auf VE.Bus-Fehlercodes. Häufige Fehler:
| Code | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Gerät ausgeschaltet, weil eine andere Phase ausgeschaltet hat |
| 5 | Überspannung am AC-Ausgang |
| 10 | Problem mit der Systemzeitsynchronisierung |
| 14 | Gerät kann keine Daten übertragen |
| 16 | Dongle fehlt |
| 17 | Gerät übernahm Master-Status, weil der ursprüngliche Master ausgefallen ist |
| 25 | Firmware-Inkompatibilität zwischen verbundenen Geräten |
| 26 | Interner Fehler |
Bei anhaltenden VE.Bus-Fehlern kann die Aktion VE.Bus Reset (am Batteriegerät verfügbar) für einen Wiederherstellungsversuch verwendet werden.
Unit ID nach Venus OS-Update geändert
Seit Venus OS 2.60 werden Unit IDs dynamisch vergeben. Nach einem Firmware-Update kann sich die Unit ID ändern. Unter Einstellungen → Dienste → Modbus/TCP → Verfügbare Dienste am GX-Gerät die aktuelle VE.Bus Unit ID überprüfen und dann die Slave ID in der TapHome-Vorlage entsprechend aktualisieren.
